Die katholische Kapelle in Windheim

Lage und Geschichte

Nachdem sich im Zuge der Weserkanalisierung viele katholische Arbeitskräfte im Bereich Windheim ansiedelten, wurde am 1. Advent 1936 auf der Deele des Hauses von Dachdecker und Nebenerwerbslandwirt Heinrich Fiedler der erste katholische Gottesdienst seit der Reformation gefeiert.

Der Gottesdienst fand zwischen den Viehställen statt, die Rückwand der Deele wurde einfach mit einem weißen Nesseltuch verkleidet. Die Stühle lieh zunächst ein Gastwirt aus, bis von der ersten Kollekte einfache Bänke angeschafft werden konnten.

Nach Heinrich Fiedlers Tod im Jahre 1940 wurde das 1818 errichtete Fachwerkhaus von der katholischen Gemeinde in Windheim aufgekauft und als Kapelle ausgerüstet.

Durch den Zustrom vieler katholischer Flüchtlinge nach dem Kriege wurde diese Kapelle schnell zu klein. Um Platz zu gewinnen, nahm man im Mai 1947 einen Teil der Fachwerkständer aus der Konstruktion des Hauses heraus. Die Last, die bisher die Ständer getragen hatten, wurde durch Eisenbahnschienen abgefangen. Damit konnten die Viehställe rechts und links der Deele zum „Kirchenraum“ hinzugenommen werden. Dieser Umbau bewirkte allerdings im Laufe der Jahre einen verheerenden seitlichen Verschiebungsprozess im Gebäude.

Nachdem die Zahl der Gläubigen in den 50-er Jahren immer größer wurde, war ein Neubau unausweichlich. Im früheren Amt Windheim vollzog sich jedoch bereits zu jener Zeit eine Schwerpunktverlagerung von Windheim nach Lahde, so dass die neue Kirche St. Maria im Jahre 1955 in Lahde errichtet wurde.

Der Kirchenvorstand in Lahde sorgte aber trotz vieler anderer Aufgaben weiterhin für die Kapelle. So erhielt sie fließendes Wasser und einen zusätzlichen Toilettenanbau. Ein alter Schuppenanbau wurde abgerissen.

Im Jahr 1971 wurde der Kapellenraum auf dem Hintergrund der Liturgiereform zu einem Mehrzweckraum umgestaltet, in dem man nun außer Gottesdiensten auch Gruppen- und Bildungsveranstaltungen abhalten konnte. Dabei wurde die ursprüngliche Kapellenausstattung leider zerstreut.

Als es ab 1978 für Lahde (und somit auch Windheim) und Petershagen nur noch einen katholischen Geistlichen gab, wurde die Sonntagsmesse in Windheim gestrichen. Damit geriet die Kapelle auch für die Katholiken immer mehr aus dem Blick, so dass die verbliebene Werktagsmesse zuletzt nur noch von wenigen Personen besucht wurde. Der Treue dieser Wenigen ist es jedoch zu verdanken, dass die Rettung der Kapelle trotzdem Wirklichkeit geworden ist.

Da die gravierenden Schäden der Bausubstanz immer unübersehbarer wurden, wurde 1986 eine grundlegende Sanierung des Gebäudes durchgeführt. Dabei konnte auch der sakrale Charakter der Kapelle wiederhergestellt werden. Zum 50. Jahrestag der ersten Messe auf Fiedlers Deele wurde die Kapelle durch den Bischof neu benediziert. Sie erhielt als besondere Würdigung das Doppelpatrocinium „Hll. Gorgonius und Liborius“. Eine Reliquie des Bistumspatrons Liborius wird seitdem in der Kapelle aufbewahrt.

In Windheim wurde nun wieder eine Vorabendmesse zum Sonntag gefeiert.

Ausstattung der Kapelle ab 1986

Obwohl in dem Gebäude seit 1936 regelmäßig Gottesdienste stattfanden, konnte eine Kapellenausstattung erst nach dem Tode Heinrich Fiedlers eingetragen werden. Von der ursprünglichen Ausstattung ist heute nur noch weniges sichtbar: Der Tabernakel ist nun an der Stirnwand des linken „Seitenschiffes“ eingelassen, ein neugotischer Kruzifixus hängt hinter dem Altar, Teile der alten Kommunionbank sind in Ambo und Sedil verarbeitet.

Eine neugotische Madonna, die ursprünglich in Windheim stand, hat ihren Platz in der Kirche St. Maria in Lahde gefunden. An ihrer Stelle ist eine 1954 vom Künstler Ernst Mischke aus Paderborn gearbeitete Madonna aufgestellt. Ein stark beschädigtes Glöckchen vom Dachboden, das wohl als Kriegsmaterial eingeschmolzen werden sollte, wurde am Eingang wieder aufgehängt.

Altar, Ambo, Sedil und Kredenz in ihrer heutigen Form sind ein Geschenk des Arbeiters Heinrich Falke aus Gütersloh, der diese in Handarbeit aus Eiche fertigte. Alle Gegenstände sind je nach ihrer Bedeutung mit reliefgeschnitzten Medaillons versehen, das Sedil mit dem Sonnenblumenmotiv, das Ambo mit den Symbolen für Pflügen, Säen und Ernten: In dieser Kapelle soll der „Acker der Seele“ für das Wort Gottes bereitet werden.

Der Altarunterbau zeigt an der Vorderseite ein Kreuz mit dem Osterlamm, dessen Querbalken um den ganzen Altar herumgeht, so wie das Kreuz die Welt umspannen soll. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Maria dargestellt. Das Motiv stammt von einem heute nicht mehr sichtbaren Pfeilergemälde des Mindener Domes. Die beiden Seitenflächen des Unterbaus zeigen die Kapellenpatrone Gorgonius und Liborius jeweils gekennzeichnet durch die zugehörigen bischöflichen Kathedralen von Minden und Paderborn.

An der rechten Seitenwand hängen fünf Ikonendrucke mit dem Deësis-Motiv: die drei mittleren zeigen den thronenden Christus zwischen Maria und Johannes dem Täufer, die äußeren die Apostelfürsten Petrus und Paulus.

Aktueller Status

Im Jahr 2006 wurden die katholischen Gemeinden Lahde und Petershagen in den Pastoralverbund Mindener Land aufgenommen. Damit war auch eine Neuordnung der Gottesdienste in den Gemeinden verbunden. Die Kapelle in Windheim war nun kein ständiger Gottesdienstort mehr, womit die Finanzierung durch St. Maria Lahde problematisch wurde.

Um einen möglichen Verkauf der Kapelle zu verhindern, wurde im September 2006 der Kapellenverein gegründet, der die Verantwortung für den Unterhalt und die Pflege des Kapellengebäudes und der Außenanlagen übernahm. Seither wurden durch das ehrenamtliche Engagement der Mitglieder und zahlreicher Förderer aus dem gesamten Pastoralverbund wiederholt Erhaltungs-, Sanierungs- und Verschönerungsmaßnahmen durchgeführt, so z.B. der Einbau neuer Fenster oder in 2014 die barrierefreie Gestaltung von Eingangs- und Toilettenbereich.

In der Kapelle werden zurzeit Gottesdienste zu besonderen Anlässen sowie an Ostermontag, Pfingstmontag und am 2. Weihnachtstag gefeiert. Der Kapellengarten wird häufig für Gemeindeveranstaltungen und gerne auch von Jugendgruppen genutzt.

Kapellenverein Windheim

Der Kapellenverein Windheim setzt sich für den Erhalt und die Pflege der katholischen Kapelle in einem ehemaligen Bauernhaus in Petershagen-Windheim, Dorfstraße 16, ein.

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Diese Internetseite gibt nur eine kurze Information zu dieser schönen Fachwerk­­kapelle im Norden der Erzdiözese Paderborn. Ausführlich ist die Kapelle auf einer Informationstafel von Pastor Ulrich Falke aus dem Jahr 1987 beschrieben. -> Abschrift der Tafel als PDF-Download